Obstbaummuseum

Obstbaummuseum

Die Wiese am Weierbach hat eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. In alten Zeiten wurde sie als Bleichwiese benutzt, wo die Marlerinnen die Wäsche in der Sonne auslegten, um sie wieder „blank“ zu machen. Später war sie ein Getreidefeld. Insbesondere war der Bach stets die Grenze für die Pohlbürger zwischen Alt-Marl und Frentrop.

Seinen Namen hat der Bach von der „Weiers Mühle“, weil das Bachwasser die 1810 in der Bauernschaft Lippe gebaute Mühle antrieb.

Nach dem Zweiten Weltkrieg litt der Bach unter dem Abwasser, das eine Färberei in Alt-Marl nach dem Behandeln von Uniformen einleitete. Im weiteren Verlauf musste er auch die Betriebsabflüsse der Zeche Brassert aufnehmen.

Schließlich lag nahe der Kaspar-Grove-Straße nur noch eine Brennnesselwiese, als im Heimatverein die Idee aufkam, zur Aufwertung des Weierbaches eine einladende Wiese mit Obstbäumen anzulegen. Marler Bürger meldeten sich als Paten und spendeten 2010/11 die ersten 20 Bäume. Weil das Interesse so groß war, wurde das gesamte Grundstück und von den „Marler Mauerspechten“ gepflegt. Aus der Obstbaumallee wurde das Obstbaummuseum mit heute 102 Bäumen. Der Name „Museum“ ist durchaus berechtigt: Es handelt sich um alte Obstsorten. Das bedeutet, dass diese Sorten schon vor Mitte des 20. Jahrhunderts gezüchtet wurden. Nur wenige dieser Sorten werden heute noch im Erwerbsanbau genutzt, weil sie z.T. anfälliger für Krankheiten, nicht lange lagerfähig oder anspruchsvoller im Anbau sind. Dafür haben sie einen intensiveren Geschmack. (Es ist wichtig sie zu erhalten um eine größere genetische Vielfalt zu bewahren.)

Ein Naturparadies

Mehr als 100 Obstbäumen auf einer Wiese, ein „Insektenhotel“ und zehn Bienenvölker machen die grüne Oase neben dem Weierbach zu einem kleinen Naturparadies. Für jede Menge Insekten, Vögel und Wassertiere ist auch noch ausreichend Platz. Ruhebänke laden zum Verweilen ein, Informationstafeln helfen dabei, die alten Obstsorten zu verstehen. Vom „Insektenhotel“ aus leisten die artenreichen „Bewohner“ ihre Arbeit. Seit 2014 produzieren bis zu 500.000 Honigbienen jedes Jahr kiloweise Honig, der z.B. im Heimatmuseum verkauft wird.

Verwirklicht wurde das Obstbaummuseum von den „Marler Mauerspechten“ – eine Gruppe sachkundiger und zupackender Männer im Heimatverein. Gespendet wurden die Bäume von Marler Privatpersonen und Unternehmen.

Mittlerweile werden wieder Helfer und Paten zur Pflege der Wiese und der Obstbäume gesucht. Um die Obstbäume möglichst lange zu erhalten (die Bäume können durchaus 70-100 Jahre alt werden) ist es wichtig sie regelmäßig zu beschneiden. Aktuell, leiden die Bäume sehr unter Wühlmäusen, die ihre Wurzeln anfressen. Deshalb ist es sinnvoll die Baumscheiben möglichst frei von Unkraut und Bewuchs zu halten. Dann hat auch das Mäusebussardpärchen bessere Chancen viele der Wühlmäuse zu fangen und seine Jungen damit groß zu ziehen.

Seit diesem Jahr weiden auch Schafe unter den Obstbäumen. Sie sollen helfen durch ihr Getrappel die Wühlmäuse zu stören und fern zu halten. Es ist insektenschonender, wenn die Schafe nach und nach die Wiese abweiden und von Hand gesenst wird, als wenn Maschinen zum Einsatz kommen. Auf Grund der Größe der Fläche ist dies aber einmal im Jahr nötig.

In Zukunft soll eine frisch gestartete Kooperation mit der Biologischen Station in Lembeck und den Marler Schulen Kindern die Möglichkeit geben vor Ort im eigenen Stadtteil im „grünen Klassenzimmer“ zu lernen.

Hier finden Sie eine Übersichtskarte vom Obstbaummuseum und eine Liste aller Obstbäume.

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