Museums­scheune

Museumsscheune
Museumsscheune
Museumsscheune
Museumsscheune
Museumsscheune

Bis in die 1970er Jahre zeigten die Marler nur Interesse an einer modernen, auf die Zukunft ausgerichteten Stadt, dem das Alte nicht selten im Wege stand. Erstmals mit dem drohenden Abriss eines 150 Jahre alten Fachwerkhauses in der Loestraße 16 engagierte sich der Leiter des Stadtmuseums, Dr. Hans Thielke, für dessen Erhalt. Doch die angedachte Umsetzung in das Umfeld des Heimatmuseums scheiterte 1975 am Geld. Einen Denkmalschutz hatte Marl noch nicht, den gibt es erst seit 1985.

Die stark wachsenden Mitgliederzahlen des Heimatvereins führten Ende der 1990er Jahre dazu, dass man sich Gedanken über einen Treffpunkt machte, weil das kleinräumliche Heimatmuseum keine Möglichkeiten bot. Insbesondere die 1993 gegründeten Mühlradfreunde hielten seit dem Jahr 2000 Ausschau nach Fachwerkhäusern auf Abbruch und sammelten in Marl alte Balken ein.

2003 war es soweit, im Oktober wurden das Baugelände vorbereitet und Spenden, Zuschüsse und Veranstaltungs-Erlöse eingesammelt, 2004 war dann Baubeginn. Als Mittelpunkt wurden Elemente der alten Rahm’schen Schmiede, die früher an der Schillerstraße stand, eingebaut. Nach 7000 perfekt organisierten Arbeitsstunden konnte am 29. Juli 2005 die Museums-Scheune eingeweiht werden, die seitdem für Vereinssitzungen, aber auch für Feiern und Festlichkeiten zur Verfügung steht.

Den Bund fürs Leben schmieden

Eine alte, komplett eingerichtete und funktionsfähige Schmiede aus dem 19. Jahrhundert stellt das rustikale „Herzstück“ für Treffen und Feiern dar. Eingebettet von Mühlenbach und hohen Bäumen neben dem Heimatmuseum bildet die Museums­scheune einen idealen Rahmen für kleine private Veranstaltungen, Familien- und Betriebsfeiern.

Die Wände hängen voll von alten Werkzeugen schon ausgestorbener Berufe. Gut 40 Gäste können im Erdgeschoss untergebracht werden. Weitere 15 Sitzplätze bietet der Dachboden, der gerne für standesamtliche Trauungen genutzt wird. Dazu kommt ein gepflasterter Innenhof.

Heimatmuseum Marl
Bild der Loestraße 16 - 1960er Jahre
Bild der Loestraße 16 - 1973
Bild der Loestraße 16 - 1973
Bild der Loestraße 16 - 1973

Bilder: 1960er Jahre bis 1973

Historischer Exkurs: Loestraße 16

Die Loestraße 16 war ein Fachwerkhaus, um 1820 erbaut. Darin betrieben die Geschwister Maria und Antonia Schrief eine Bäckerei. Weil die Bäckerei Anfang der 1970er Jahre unrentabel wurde und kein Mieter gefunden wurde, sollte es abgerissen und durch ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus ersetzt werden.

Damit es nicht der Spitzhacke zum Opfer fiel, schalteten sich im März 1973 Bauamt, Kulturamt und Stadtmuseum sowie das Landesamt für Denkmalpflege ein. Sorgen bereitet nur die finanzielle Seite des Problem. Leiter des Stadtmuseums: Dr. Hans Thielke: Es sei der alten Wassermühle ähnlich. Ähnlich wie diese sei sie in der ganzen Zeit nicht verändert worden, anderthalb Jahrhunderte. Nach der Verlegung könnte das Fachwerkhaus ein Freilichtmuseum werden, in dem auch weitere historische Stücke, die nicht mehr untergebracht werden können, beherbergen. Geeignet sei das städtische Grundstücks zwischen Overdiecks Hof und Mühlenwall, oder direkt neben dem Heimatmuseum (das Gelände gehört der Stadt nur zu drei Viertel). In einem offenen Brief schlug Thielcke vor, die Balken vorübergehend einzulagern. Die Kosten wurden auf 34.000 DM geschätzt, der Hufa lehnte im März 1973 die Mittel-Bereitstellung ab. Im April schätzte die Stadt die Kosten für den Wiederaufbau auf 300.000 DM.

Ende Mai 1975 wurde es in zwei Tagen sang- und klanglos abgerissen. Kein Haus in Marl stand damals unter Denkmalschutz (gibt es erst seit 1985), auch nicht das Heimatmuseum samt Wassermühle (erst seit 1987).
GE