2001 führte eine politische Diskussion zur Marler Geschichte zu einem wachsenden Interesse und schließlich zur Bildung eines Volkshochschulkurses, getragen von der insel-VHS und dem Heimatverein Marl. Interessierte Marlerinnen und Marler – nicht nur Historiker und Historikerinnen, sondern gerade auch Laien – machten sich an die Erforschung von einzelnen Aspekten und Themen der Marler Geschichte. Unter dem Namen „Geschichtswerkstatt“ wandelte sich der Kurs immer wieder personell und thematisch. Die Leitung übergab Anfang 2023 der Historiker Dr. Hans Ulrich Berendes an den Historiker Gert Eiben.
Die Anfangsphase war schwierig. In den ersten Jahren, als der Kurs noch „In Stadtgeschichte denken“ hieß, befassten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auch mit der grundsätzlichen Arbeitsweise eines Historikers und einer Historikerin: Nämlich das Suchen von Quellen, ihre kritische Analyse und das Verfassen von Darstellungen.
Mit dieser Grundlage suchten sie Quellen zu den 50er- bis 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts – also zu der Zeit, als Marl auf dem Weg zu einer modernen Großstadt war. Die Mitglieder recherchierten im Stadtarchiv und befragten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, etwa zum Marler Theater, zur Blumensiedlung, dem Rathaus, dem Einkaufszentrum „Marler Stern“, den Hügelhäusern. Die ehemaligen Zechen auf Marler Gebiet waren Geschichtswerkstatt-Thema für Flyern anlässlich des Ruhrgebietes als „Kulturhauptstadt 2010“.
Zum 75-jährigen Jubiläum der Stadtwerdung Marls 2011 befasste sich die Geschichtswerkstatt mit der Frage, woher Bewohner einmal gekommen waren. Das Ergebnis war eine zweibändige Veröffentlichung: „Zuwanderung in Politik und Siedlung“ und „Zuwanderung und Religion“. Die Arbeit wurde gewürdigt mit einem Preis im Geschichtswettbewerb „War was?“ des Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher.
Auch die Auswirkungen der Weltgeschichte auf Marl war Untersuchungsgegenstand. 100 Jahre nach dem Beginn des ersten Weltkrieges organisierte die Geschichtswerkstatt 2014/15 eine Ausstellung zu Auswirkungen und Folgen des Krieges und nahmen dabei auch die Partnerstädte Creil, Pendle, Zalaegerszeg und Kusadasi in den Blick. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges gab es neben eine kleinen Ausstellung eine umfangreiche Broschüre „Chaos und Erleichterung 1944/45. Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Marl und in den Partnerstädten Bitterfeld, Creil, Herzlia, Krosno, Kusadasi, Pendle und Zalaegerszeg“.
Im November 2025 erschien das Buch „Marler Menschen. 66 Porträts aus der Geschichte Marls“. Die Biografien-Sammlung ist ein Querschnitt durch das Leben eines schnell wachsenden Dörfchens zu einer modernen Stadt. Die Namen der Menschen sind vielen Marlern bekannt, deren Lebensweg aber meist nicht.
Derzeit befassen sich Mitglieder mit Tafeln zu historischen Gebäuden in Marl und einer Dokumentation zur Geschichte und Bedeutung der „Bereitschaftssiedlung“ der CWH für die Stadt und für die Bewohner.