Mühlenturm

Mühlenturm

Die Windmühle an der Hochstraße ist ein Wahrzeichen für das alte Marl und bildet heute zusammen mit der historischen Wassermühle am Volkspark - dem heutigen Stadt- und Heimatmuseum - und der Loemühle das Bindeglied zwischen dem alten landwirtschaftlichen und dem neuen industriellen Marl, zwischen Bauer und Bergmann.

Als die Windmühle 1850 in Betrieb genommen wurde, zählte Marl circa 1 800 Einwohner – zumeist Bauern, die sich nebenher als Handwerker, vor allem als Weber, ein bescheidenes Auskommen verdienten. Zur Erntezeit rollten ihre von schweren Garben beladenen Wagen zur Wassermühle am Volkspark, die allerdings sehr häufig an Wassermangel litt. Die Quelle, die heute den Teich im Volkspark speist, reichte während der Erntezeit für den ununterbrochenen Antrieb der Mühle oft nicht aus. Die neue Windmühle war deshalb für die „Ackerbürger" in Marl eine willkommene Alternative zur Wassermühle am Volkspark.

1875 ging die Mühle durch Erbgang an die Gebrüder Wessels und um 1900 an die Familie Rütter über. Im Jahr 1908 wurde ein Maschinenraum angebaut. 1911 erhielt die Mühle einen Saugmotor, um auch bei Windstille mahlen zu können. Die Kappe der Mühle, an der die Windflügel befestigt waren, war in alle Windrichtungen mittels zwei Steerts drehbar. 1935 wurden die Flügel außer Betrieb gesetzt. Als Ersatz wurde ein Dieselmotor in Betrieb genommen. Wenig später wurde der gesamte Mühlenbetrieb eingestellt, nachdem zuvor noch ein Elektromotor angeschafft worden war. Wegen Altersschwäche wurde die Haube 1936 abmontiert. Danach diente die Mühle bis etwa 2000 als Lagerraum der Raiffeisen Genossenschaft.

Als der Turm - dem Verfall preisgegeben - abgerissen werden sollte, gelang es dem Heimatverein, mit Sponsoren sowie zehn Marler Handwerksfirmen den Turm kostenfrei zu renovieren. Nach einer Renovierungszeit von gut einem Jahr wurde Ende 2001 die sorgsam restaurierte Mühle vom Raiffeisen-Markt an den Heimatverein verpachtet. Er nutzt die Mühle für Heimatabende, Ausstellungen, Feste und Feierlichkeiten in außergewöhnlichem Ambiente und vermietet sie an Privatpersonen.

Klaus Kahl / Rainer Kohl (überarbeitet von Peter Hofmann)
Quellen: Vestischer Kalender, Bd. 21 (1949); Vestische Neueste Nachrichten Buer, Nr. 265, vom 26.9.1936 u.a.